• Der Star ist der Bansen
    Der Star ist der Bansen

    Live Atmosphäre bei allen Spielen der deutschen Nationalmannschaft.

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Sitzenbleiben bis zur EM 2028? Der letzte treue Fan in Husemeyers Bansen

Man möchte ihm fast eine Decke, ein frisches Kaltgetränk und eine Packung Durchhalte-Snacks bringen: Der Blick auf die riesige Leinwand gerichtet, die Beine hochgelegt, umgeben von gähnend leeren Holzreihen. Das Foto fängt die absolute Schockstarre nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft mit einer gehörigen Portion Tragikomik ein. Es sieht ganz danach aus, als habe dieser eine, treue Fan (namens Jerry) im Bansen beschlossen, die kommenden zwei Jahre einfach direkt an Ort und Stelle sitzenzubleiben – bis die Europameisterschaft 2028 den Saal wieder füllt.

Vom 400-Personen-Beben in die absolute Stille

Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen. Noch wenige Tage vorher glich der landwirtschaftliche Hof an der Eggetaler Straße einem schwarz-rot-goldenen Hexenkessel. Vor allem beim dramatischen 2:1-Erfolg gegen die Elfenbeinküste herrschte im Eggetal absoluter Ausnahmezustand. Rund 400 begeisterte Fußballbegeisterte drängten sich in Husemeyers Bansen und dem Biergarten, um bei tropischen Sommertemperaturen gemeinsam zu bangen, zu jubeln und zu feiern.

Doch das vorzeitige, bittere Turnier-Aus der DFB-Elf verwandelte die ausgelassene Partymeile gegen Paraguay binnen Sekunden in kollektive Fassungslosigkeit. Die Stimmung schwankte bei den rund 250 verbliebenen Public-Viewing-Gästen der entscheidenden Partie zwischen purem Entsetzen und ungläubigen Tränen.

„Das Schlimmste, was ich je gesehen habe“

Wie tief der sportliche Stachel bei den Fans sitzt, machten auch die Stimmen einer aktuellen Umfrage von WDR 2 deutlich:

  • „Das ist grauenhaft, das ist wirklich das Schlimmste, was ich je in meinem Leben gesehen habe“, sagte Jerry.

  • Eine andere Besucherin fasste die gedrückte Atmosphäre im Saal kurz und knapp zusammen: „Echt traurig, alle waren ja irgendwie traurig.“

  • Dieter Hagemann: „Der letzte Wille, der fehlte... der letzte Wille wirklich gewinnen zu wollen.“

  • Am Ende half nur noch die sprichwörtliche Galgenhumor-Mentalität des 1. Vorsitzenden Frank Wübker: „Aber wir können es nicht ändern. Wir haben alles gegeben. C’est la vie, so ist das Leben.“

Seit 20 Jahren ein weltmeisterliches Ehrenamt

Auch wenn die Nationalmannschaft vorzeitig die Koffer packen musste, die Fankultur im Eggetal bleibt erstklassig. Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten stampft das Organisationsteam des SVE Börninghausen die großen Turnierevents komplett ehrenamtlich und selbstorganisiert aus dem Boden.

Die Neue Westfälische berichtete in ihren Artikeln zu Recht von einem „großen Fußballfieber“ und einem „gelebten Wir-Gefühl“, das weit über die Dorfgrenzen hinausstrahlt. Ob in ultra-luftiger Fankleidung wegen der extremen Hitze, mit plüschigen Hasenohren als traditionellem Glücksbringer oder im kompletten Ganzkörper-Nationaloutfit inklusive Zylinder – die Tribüne im Bansen bot ein grandioses, buntes Bild. Sogar aus Bünde, Bruchmühlen, Holzhausen, Hille und Bückeburg reisten die Menschen an, um Teil dieser besonderen Gemeinschaft zu sein.

Für die Helfer hinter den Kulissen, die tagelang Zapfanlagen montiert, Kabel verlegt und Getränke ausgeschenkt haben, ist das vorzeitige Aus zwar schade – die Vorfreude auf das nächste Großprojekt schmälert es aber nicht. Und wer weiß: Wenn man dem einsamen Fan auf dem Foto ab und zu ein neues Bier bringt, hält er die Stellung im Bansen vielleicht wirklich bis zur EM 2028 durch.

01:55 – letzte Trauerbekundungen am Stammtisch.
01:55 Uhr – letzte Trauerbekundungen am Stammtisch